Entsäuerung beim Weinjahrgang 2009
Aufgrund der teilweise hohen Säuregehalte im Most
könnte die Entsäuerung in diesem Jahr ein Thema werden. Bei gesundem
und reifem Lesegut empfiehlt sich eine Maischestandzeit, nicht nur aus
Gründen des Weinsteinausfalls, sondern auch zur Qualitätssteigerung.
Die Maischestandzeit kann einen Weinsteinausfall von
bis zu 1,5 g/l zur Folge haben (abhängig von Kaliumgehalt und
Standzeit). Weine, die früh vermarktet werden sollen, aber noch
eine zu hohe Gesamtsäure aufweisen, müssen nach Möglichkeit schnell
entsäuert werden, damit noch genügend Zeit für eine
Weinsteinstabilisation bleibt. Hierfür ist es wichtig, dass die Weine
filtriert sind, damit keine„Schutzstoffe“ vorliegen und der Weinstein
vor der Füllung ausfallen kann. In diesem Fall stehen ein langes
Hefelager und eine frühe Füllung im Widerspruch.
Sofern keine frühe Füllung geplant ist, sollte man die
Abkühlung der Keller und den damit verbundenen Weinsteinausfall
abwarten. Im Anschluss kann je nach vorhandenem Säuregehalt
eineEntsäuerung im Weinstadium vorgenommen werden.
Eine weitere Alternative zur chemischen Entsäuerung
stellt der BSA dar. Hier ist es eindeutig, dass ein biologischer
Säureabbau die Aromatik des Weines verändert. Somit müssen Sie sich
überlegen, ob diese Weine in Ihre Produktpalette passen, oder ob Sie
den BSA bei einer Teilmenge einleiten und diese später verschneiden.
Der BSA kann bei Mosten mit niedrigen pH-Werten (<
3,3) parallel zur Gärung, ansonsten nach der Gärung eingeleitet
werden. Auf jeden Fall ist es sinnvoll die Restwärme der Gärung
auszunutzen, damit der Säureabbau bei einer Temperatur zwischen 16°
bis 20° C erfolgen kann. Der Säureabbau sollte - bei "sauberem"
Hefelager - vor dem 1. Abstich, mindestens aber auf der Feinhefe erfolgen,
denn die Hefe wird für den Abbau des Diacetyls (Butternote) benötigt.
Obwohl es während dem BSA zur CO2
Bildung kommt, sollten Sie die Tanks trotzdem Spundvoll halten, da es
immer zu einem Gasaustausch kommt und während des BSA noch kein
Oxidationsschutz Schutz durch SO2
vorliegt. Außerdem steigt die Sauerstofflöslichkeit im Wein mit
sinkenden Temperaturen an.
Eine Schwefelung des Jungweins sollte erst 2-3 Wochen
nach Ende des Säureabbaus erfolgen. In dieser Zeit ist es sinnvoll die
Hefe aufzurühren, um zum einen den Diacetylabbau zu gewährleisten und
zum andern den Jungwein vor Oxidation zu schützen. Auf jeden Fall
sollte eine Schwefelung erst nach sensorischer Kontrolle durchgeführt
werden.
Falls Sie Probleme haben sollten den BSA einzuleiten,
da der pH-Wert zu niedrig ist (pH< 3,0), können Sie durch eine
Entsäuerung den pH-Wert leicht anheben (Faustregel: Anhebung um pH
Wert 0,1 1 g/l Gesamtsäure). Allerdings sollte man dies vorsichtig
tun, denn ab einem pH Wert von 3,4 kann es zu einer vermehrten Bildung
von flüchtiger Säure und biogenen Aminen kommen. Daher ist es wichtig
sich beim Kauf der Milchsäurebakterien über die Eigenschaften des
jeweiligen Stammes zu informieren, damit der BSA ohne Probleme
ablaufen kann.
Die Temperatur, der pH Wert, der Alkoholgehalt und der
vorliegende Gehalt an SO2
nehmen je nach Bakterienstamm einen unterschiedlich großen Einfluss
auf den Verlauf des BSA.